FREIBEUTER, PIRATEN, KORSAREN, MARINEOFFIZIERE und andere Wasserspieler

Als im ausgehenden 19. Jahrhundert die kaiserliche Politik in Deutschland eine starke Flotte forderte und dies auch verwirklichen konnte, hatten Veröffentlichungen mit maritimen Themen Hochkonjunktur. Schon im Verlauf des 19. Jahrhunderts waren zahlreiche maritime Romane aus dem englischsprachigen Gebiet, so z.B. von James Fenimore Cooper - der heute vielfach nur als Verfasser der Lederstrumpfgeschichten bekannt ist - oder von Frederick Marryat - einem ehemaligen Kapitän der britischen Marine - in Übersetzungen veröffentlicht worden.

Heinrich Smidt, Reinhold (von) Werner oder auch Balduin Möllhausen schrieben in Deutschland gleichfalls zahlreiche Geschichten und Romane, die das Leben auf den Meeren der Welt zum Gegenstand hat. Eine starke deutsche Flotte propagierten unter anderem zahlreiche Jugendschriftsteller der wilhelminischen Zeit, in deren Werken oftmals die angeblich großen Zeiten der Hanse und ihre Kämfe gegen die Freibeuter der Nord- und Ostsee mit gebührendem Heroismus beschworen wurden.

So wurde auch der sagenhafte Seeräuber Klaus Störtebe(c)ker - wieder aus der Seemannskiste hervorgekramt - zum Helden von Romanen, Jugendbüchern und Romanheften. Die erste Romanheftreihe Klaus Störtebecker, der gefürchtete Herrscher der Meere erschien 1908/09 im Berliner Verlagshaus für Volksliteratur und Kunst, ein Kolportageroman mit 100 Einzelheften folgte um 1930, bevor eine zweite - weitaus kurzlebigere - Romanheftreihe Klaus Störtebecker, der kühnste Pirat aller Zeiten dann in den 1950er Jahren beim Jupiter-Verlag veröffentlicht wurde. Schließlich heuerte Störtebecker - der inzwischen auch zum Helden einer Freilichtbühne auf Rügen geworden war - im Sommer 2005 beim Kelter Verlag an (Klaus Störtebeker, Liebe und Abenteuer des Freibeuters), um hier nicht nur Kämpfe zur See sondern auch amouröse Abenteuer zu bestehen.

Schon bevor Störtebecker erstmals für die Verleger der Romanhefte an Bord hing, hatte Sir Henry Morgan Unter schwarzer Flagge [Abenteuer des berühmten Piraten-Kapitäns Morgan] beim Verlag moderner Lektüre 1907 die Segel gehisst. Bis 1910 erlebte er 240 Abenteuer, an denen auch die Leser in verschiedenen anderen europäischen Ländern, wo Übersetzungen erschienen, teilhaben durften. Unter schwarzer Flagge klang den "Reedern" des Dresdner Roman-Verlags wohl nicht martialisch genug, sie schickten Sir Franz (!) Drake 1980 unter dem Serientitel Die Blutfahne der Flibustier an Bord. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Drake dann nochmals in zwölf Heften als Der Herr der Meere den Anker lichten. Konkurrenz bekamm er von zwei deutschen Jugendlichen, die Hans Kilian in seiner Reihe Der Rote Corsar im Eigenverlag zur See schickte. Wichtigster Papier-Pirat der 1950er Jahre war jedoch Carlos Lezama, den der Spanier Arnaldo Visconti 1946 erstmals aufs Meer gelassen hatte und der in deutscher Sprache als Schwarzer Pirat oder als El Pirata Negro seine Gegner das Fürchten lernte. Lezamas Hauptkonkurrenz dürften die zahlreichen Piraten deutscher Schreiber-Herkunft gewesen sein, die in den 1950er und 1960er Jahren von den damals noch florierenden kommerziellen Leihbibliotheken vor Anker lagen und für einen kleinen Obolus an die Leihbüchereiinhaber bereit waren, geneigte Leser an ihren Abenteuern teilhaben zu lassen.


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