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EINFÜHRUNG

KRIEGSLIED

Sengen, brennen, schiessen stechen,
Schädel spalten, Rippen brechen,
Spionieren, requirieren,
Patrouillieren, exerzieren,
Fluchen, bluten, hungern, frieren ...
So lebt der edle Kriegerstand,
Die Flinte in der linken Hand,
Das Messer in der rechten Hand,
Mit Gott, mit Gott, mit Gott,
Mit Gott für König und Vaterland.

Aus dem Bett von Lehm und Jauche,
Zur Attacke auf dem Bauche,
Trommelfeuer - Handgranaten -
Wunden - Leichen - Heldentaten -
Bravo, tapfere Soldaten!
So lebt der edle Kriegerstand,
Das Eisenkreuz am Preussenband,
Die Tapferkeit am Bayernband,
Mit Gott, mit Gott, mit Gott,
Mit Gott für König und Vaterland.


(Erich Mühsam)


(Jacques Callot, 1633
{Abb. kann durch Anklicken vergrössert werden})
Erich Mühsam spricht im links zitierten satirischen 'Kriegslied' in anderer Weise und mit völlig konträrer Absicht Themen an, die in den militaristischen und teilweise auch hurrapatriotischen Romanheftreihen seit Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts immer wieder im Zentrum standen.

Konjunktur hatten solche Periodika eigentlich während der ganzen Zeit. Während des Ersten Weltkrieges erschienen etliche Serien, die teilweise auch in den Jahren der Weimarer Republik Nachfolger fanden. In den Jahren des Nationalsozialismus waren gleichfalls einige Reihen auf dem Markt, die genau wie ihre Vorgänger gezielt auch ein jugendliches (wohl überwiegend männliches) Publikum ansprechen sollten, z.B. Kriegsbücherei der deutschen Jugend.

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges war zunächst einmal Schluss mit solchen Reihen. Aber schon zu Beginn der 1950er Jahre begannen die Verleger und Autoren erneut solche Heftreihen an den Kiosken zu plazieren. Der Münchener Arthur Moewig Verlag versorgte mit seinen SOS-Bänden, den Flieger- oder Soldatengeschichten 'Fans' aller Einheiten der ehemaligen deutschen Wehrmacht. In den beiden erstgenannten Reihen gab es zeitweise auch abenteuerliche Schilderungen vor einem zivilen Hintergrund. Es überwogenen allerdings militärische Themen, oftmals 'getarnt' als Erinnerungen, mit dem Mäntelchen, den Rezipienten die Schrecken und das Elend des Krieges klarzumachen.

Ab 1957 schickte dann der in Rastatt beheimatete Erich Pabel Verlag seinen Landser ins Gefecht, eine Reihe von der bisher weit mehr als 2500 Titel allein in der Hauptserie veröffentlicht wurden. Hinzu kamen etliche Nebenreihen, wie z.B. Der Landser - Sonderband. Teilweise erschienen die Hefte mit dem Untertitel 'Ritterkreuzträger erzählen'. Dies zeigt, wo Schwerpunkte lagen. Im Mittelpunkt standen oftmals die Abenteuer von einzelnen (einfachen) Soldaten den 'Landsern', die häufig davon überzeugt waren, dass sie das Richtige taten, sich dabei aber - man wollte schliesslich nicht in die rechte Ecke gerückt werden - immer deutlich vom nationalsozialistischen Gedankengut distanzierten.

Etliche Autoren hatten ihre ersten schriftstellerischen Meriten allerdings schon vor und während dem Zweiten Weltkrieg - teilweise als Kriegsberichterstatter - erworben, und schrieben nun so weiter, wie sie es gewohnt waren - weitgehend unkritisch gegenüber den Problemen, die militarisch gefärbte Literatur nun einmal hat (Heldenglorifizierung, Pathos, Gewaltbereitschaft etc.). Ihnen schlossen sich viele jüngere Schreiber an, die bis heute neue 'Erlebnisberichte von Soldaten' - zumeist während des Zweiten Weltkriegs spielend - erschaffen, obwohl die wirklichen Kriegsteilnehmer inzwischen zum grössten Teil schon länger verstorben sind! Bei zahlreichen der in jüngerer Zeit veröffentlichten Texte handelt es sich aber auch um (teils wiederholte) Neuauflagen älterer Romane.

Die Militaria-Romanheftreihen gehören zwar nicht unbedingt zu den auflagestärksten oder verlegerisch gesehen wichtigsten Genres der populären Unterhaltungsliteratur. Sie haben aber - mit einem Höhepunkt in den späten 1950er Jahren - kontinuierlich ihre Leser gefunden und finden sie nach wie vor - wie ein Blick in die Auslagen der Kioske oder Bahnhofsbuchhandlungen bestätigt. Aus diesem Grund werden auf TRIVIALITAS einige dieser Reihen in dokumentarischen Übersichten vorgestellt.

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